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Grundsteuererklärung in Bayern

2022-05-02 , Andreas Giebel

Du bist Besitzer eines Grundstücks, zum Beispiel eines Einfamilienhauses, einer Eigentumswohnung oder einer Mietwohnung in Bayern, dann Obacht!

Die Öffnungsklausel des Bewertungsgesetzes

Dein Finanzamt wird Dich dieses Jahr zwischen dem 01. Juli 2022 und dem 30. Oktober 2022 auffordern eine spezielle Erklärung abzugeben. Die Erklärung wird benötigt um die Grundsteuer für Dein Grundstück neu festzusetzen. Die bisher für die Festsetzung der Grundsteuer verwendeten Einheitswerte sind nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes aus 2018 Grundgesetzwidrig. Nunmehr müssen alle Grundstücke in Deutschland für Zwecke der Grundsteuer neu bewertet werden, auch in Bayern.

Wenn Du jetzt einen Schrecken bekommen hast, keine Panik. Als Grundstücksbesitzer in Bayern hast Du es sehr viel einfacher als in anderen Bundesländern. Grund hierfür ist die „Öffnungsklausel“ im Bewertungsgesetz. Das Bewertungsgesetz gibt vor, wie Grundstücke in Deutschland für die Grundsteuer bewertet werden müssen. Dies gilt normalerweise dann einheitlich für ganz Deutschland. Allerdings konnte Bayern durch die bereits erwähnte „Öffnungsklausel“ erreichen, das Bayern ein eigenes Bewertungsgesetz für die Grundsteuer erlassen konnte.

Damit brauchst Du in Bayern statt normalerweise bis zu sechs Werten nur ganze zwei Werte in die Erklärung eintragen. Dies ist eine enorme Vereinfachung für alle Grundstücksbesitzer in Bayern.

Das bayerische Grundsteuergesetz wird auch als „Flächenmodell“ bezeichnet.

Berechnung der Grundsteuer nach dem Flächenmodell

Für die Berechnung der Grundsteuer nach dem Flächenmodell kommt es auf drei Faktoren an:

  • die Fläche des Grundstücks,
  • die Fläche des Gebäudes und
  • die Nutzung der Immobilie.

Der Wert des Grundstücks, seine Lage, das Alter oder der Zustand des Gebäudes spielen für die Bewertung in Bayern keine Rolle. Vielmehr sieht das Bayerische Grundsteuergesetz feste, sogenannte Äquivalenzzahlen vor.

Danach wird dann grundsätzlich so gerechnet:

        Fläche des Grund und Bodens in qm             x 0,04 EUR/qm

zzgl. Wohn- und Nutzfläche des Gebäudes in qm x 0,50 EUR/qm 

Bei Wohnflächen wird statt mit 0,50 EUR/qm mit 0,50 EUR/qm x 70 % = 0,35 EUR/qm gerechnet.

Nutzflächen von Garagen, die in räumlichem Zusammenhang zu einer Wohnung stehen, der sie rechtlich zugeordnet sind, bleiben bis zu einer Fläche von insgesamt 50 qm übrigens außer Ansatz.

Nutzflächen von Nebengebäuden von untergeordneter Bedeutung, z.B. ein Gartenhaus, die in räumlichem Zusammenhang einer Wohnung stehen bleiben bis zu einer Fläche von insgesamt 30 qm außer Ansatz

Bei sehr großen, mit Wohngebäuden bebauten Grundstücken werden bestimmte Flächen nur mit 0,02 EUR/qm angesetzt.

Außerdem gibt es Ermäßigungen bei bestimmten Wohngebäuden von Land- und Forstwirtschaftlichen Betrieben, bei Baudenkmälern und bei Wohnflächen die der Bindungen des sozialen Wohnungsbaus aufgrund einer staatlichen oder kommunalen Wohnraumförderung unterliegen.

Ein Berechnungsbeispiel

Bebautes Grundstück; Einfamilienhaus; Grundstücksfläche 500 qm, Wohnfläche 130 qm.

Berechnung der Äquivalenzbeträge:

Grund und Boden: Grundstücksfläche 500 qm x 0,04 EUR/qm = 20,00 EUR

Gebäude: Wohnfläche 130 qm x 0,50 EUR/qm = 65,00 EUR x 70 % = 45,50 EUR

Daraus ergibt sich folgende Berechnung der Grundsteuer: Betrag des Grund und Bodens 20,00 EUR + Betrag des Gebäudes 45,50 EUR = Grundsteuermessbetrag 65,50 EUR x Hebesatz der Gemeinde (z.B. 350 %) = Jahresgrundsteuer 229,25 EUR.

Wie man sieht gar nicht so kompliziert.

Hilfe bei der Grundsteuerberechnung

Die Erklärung muss digital beim Finanzamt eingereicht werden. Keine Sorge auch dabei helfen wir Dir.